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Hauterkrankungen

 

Mitbedingt durch die Einnahme immunsupprimierender Medikamente haben transplantierte Patienten ein erhöhtes Risiko Hauterkrankungen zu entwickeln.


Welche Hautveränderungen treten besonders häufig auf?

Jeder Mensch hat eine ganz individuelle Haut – heller oder dunkler pigmentiert, trockener oder fettiger. Und natürlich verändert sich die Haut im Leben auch unterschiedlich stark, ist berufs- oder freizeitbedingt mal weniger oder stärkerer Sonneneinstrahlung ausgesetzt oder wird durch innere Erkrankungen beeinträchtigt. Bei Transplantierten kommen auf all diese Ausgangsbefunde noch die Wirkungen der Immunsuppression hinzu, die die Abwehrleistung der Haut, als größtes Grenzflächenorgan des Körpers, nochmals beeinträchtigen. Auch haben sowohl einige Immunsuppressiva, aber auch andere Medikamente Auswirkungen auf den Stoffwechsel der Haut sowie Talgdrüsen, die Bindegewebsstruktur und das Gefäßmuster der Unterhaut sowie das Haarwachstum.   Typische Hautveränderungen organtransplantierter Patientinnen und Patienten sollen in der Folge kurz vorgestellt werden.


Viren

Warzen:

Ursache: Warzen werden durch das Humane Papilloma Virus (HPV) verursacht. Auch noch Jahre nach Transplantation treten Warzen häufig beetartig in sonnenlicht exponierten Hautarealen, sowie an Hand- und Fußflächen auf.
Neben dem Sonnenlicht sind auch Durchblutungsstörungen, Druckstellen durch schlecht sitzendes Schuhwerk sowie durch Rauchen, wichtige Kofaktoren für die Entstehung von Warzen.

Therapie: Bei der Behandlung sollte daran gedacht werden, dass Warzen in druckexponierten Körperregionen, besonders den Fußsohlen, tief in die Haut eindringen können. Außerdem sind Warzen natürlich auch infektiös, daher finden sich um klinisch sichtbare Warzen oft noch viele kleinere, frühe und mit dem bloßen Augen oft nicht abgrenzbare Warzen.

Die klassische Therapie von Warzen besteht entweder in der Zerstörung des infizierten Hautgewebes durch Lasertherapie oder Vereisung oder aber in der Ablösung und „Vergiftung“ der infizierten Zellen mittels eines dafür entwickelten Warzenlackes, der mehrfach täglich auf die betroffenen Areale aufgetragen werden muss. Wichtig ist, dass durch die Therapie keine Narben entstehen. Daher sind grade die „ablativen“, zerstörenden Therapien nur durch darin erfahrene Ärztinnen und Ärzte anzuwenden. Die früher häufig praktizierte Operation Warzen-infizierter Bereiche, ist heute nur noch in seltenen Fällen eine Therapieoption.

Was kann ich zum Therapieerfolg beitragen ? Sie können die Behandlung durch regelmäßige warme und daher durchblutungsfördernde Bäder der behandelten Hautareale unterstützen. Auch Bewegung und das Ausschalten von Kofaktoren (schlecht durchblutete Druckstellen an Füßen) kann zum Therapieerfolg beitragen.

Herpes simplex und Zoster (Gürtelrose

Ursachen: Die für beide Erkrankungen ursächlichen Viren gehören zu Obergruppe der Herpes Viren. Beide Viren sind bei den allermeisten Menschen durch frühere Infektionen zumeist  latent – daher ohne sichtbare Aktivität – vorhanden.
Herpes simplex Viren treten auf einem gerötetem Hautuntergrund als kleine, stecknadelkopfgroße, gruppiert stehende Bläschen beispielsweise an der Lippe („Fieberbläschen“), im Genitalbereich (‚Herpes genitalis’) oder in anderen Hautarealen auf. Dabei kann es auch immer wieder, in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen, zu Rezidiven in ein und demselben Hautareal kommen (Herpes recidivans)

Therapie: Im Frühstadium, daher bevor die ersten Bläschen austreten, lässt sich der Erkrankungsschub oft durch das Auftragen einer handelsüblichen Anti-Herpes-Creme abschwächen. Sind bereits Bläschen aufgetreten, kann man austrocknende Zinkpast verwenden. Spätestens bei größeren Befunden oder rezidivierendem Verlauf, sollten Sie Ihren Arzt oder ihrer Ärztin kontaktieren.

Die Gürtelrose (Herpes zoster)  tritt meist einseitig, „gürtel“- oder sektorenartig im Versorgungsgebiet eines Hautnerven auf. Verbunden damit ist gelegentlich ein stechender oder „ziehender“ Schmerz. Die Gürtelrose sollte immer durch einen Arzt behandelt werden. Neben einer desinfizierenden oder im Bedarfsfall die Bläschen auch austrocknende Lokaltherapie und einer individuell einzustellenden Schmerztherapie, müssen manchmal spezifische Infusionsbehandlungen oder eine Tablettentherapie eingesetzt werden um die Viren zu behandeln.

Was können Sie selber tun: Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Berliner Robert Koch-Institut empfiehlt für Patienten mit angeborener oder erworbener Immundefizienz oder Immunsuppression, und somit auch Organtransplantierten, eine Zoster-Impfung.

Pilze

Fuß- und Nagelpilze sind in der Regel leicht zu erkennen. Juckreiz und mazerierte (aufgeweicht wirkende, weißliche) Haut in den Zehenzwischenräumen, mehlstaubartige Schuppung an der Fußsohle und unregelmäßige, gelbliche Verfärbungen sowie teilweise Auflösung betroffener Nägel sind typische Zeichen. 

Therapie: Bei Organtransplantierten können Fuß- und Nagelpilze jedoch häufiger so ausgedehnt, dass eine die sonst übliche Behandlung mit speziellem Nagellack und antimykotischen Cremes nicht ausreicht und systemische (Tabletten) Therapie notwendig wird. Eine besondere Relevanz haben Hautpilzerkrankungen bei Immunsupprimierten besonders dadurch, dass die durch das Pilzwachstum z.B. in betroffene Zehenzwischenräume geschädigte Hautbarriere zur Eintrittspforte von Bakterien werden, die sich dann ihrerseits wieder zu gefährliche Weichteilinfektionen weiter entwickeln können.

Was kann man selber tun: Sie selber sollten Pilzerkrankungen durch eine gute Fußhygiene vorbeugen und die Füße trocken und sauber halten. Nach Besuch von Sauna, Schwimmbad oder Sportstudio empfiehlt es sich, die Füße durch entsprechende Desinfektionsmittel zu säubern. In Hotelzimmern und wenn man barfuß in öffentlichen Einrichtung unterwegs ist sollten nach Möglichkeit entsprechende Hausschuhe oder Badelatschen/Sandalen verwendet werden.

Tinea corporis, also Hautpilzerkrankungen des Körperstammes, findet sich bei Organtransplantierten ebenfalls gehäuft. Dabei handelt es sich in der Regel um rundlich-bogig wachsende, sich zentrifugal (also von der Mitte der Läsion aus in die Peripherie ausbreitende) ekzemartig-schuppende, randbetonte Rötungen der Haut. Häufig findet sich Juckreiz.

Therapie: Erfolgt in der Regel durch eine ärztlich verordnete Kombination aus Lokaltherapie (Cremes) und einer Tablettenbehandlung für einige Wochen.

Die Pityriasis versicolor ist eine ebenfalls ungefährliche, aber gelegentlich lästige Erkrankung, die durch bestimmte Hefepilze verursacht wird. Besonders am Körperstamm, Oberarmen und Hals finden sich hellbräunliche Flecken, die bei sonnengebräunter Haut auch weißlich erscheinen können. Von diesem Phänomen unterschiedlicher Farbphänomene durch ein und dieselbe Erkrankung leitet sich auch der Name „versicolor“ ab.

Therapie: Eine Behandlung mit entsprechenden, wirkstoff-haltigen Lotiones und Shampoos kann von Ihrem Hautarzt verordnet werden.

Was kann ich selber tun: Achten Sie darauf, Kopfhaut und Haar mit zu behandeln, da in den Haarfollikeln des Kopfes ein potentielles Erregerreservoir steckt. Handelsüblich Schuppen-Shampoos, die man ca. 5 Minuten einwirken lässt, eignen sich hierfür in den meisten Fällen gut. Auch zur Therapieunterstützung am Körper, kann man solche Schuppenschampoos verwenden. Eigene Körperwäsche und Handtücher sollten Sie bis zum Abschluss der Therapie nur selber verwenden und keinesfalls mit anderen Personen tauschen, um eine Übertragung der Erreger zu vermeiden.

Bakterien

Neben einer deutlich erhöhten Rate an Wundheilungsstörungen und Wundinfektionen finden sich bei Organtransplantierten besonders in der Frühphase der Transplantation Infektionen der Haarwurzeln (Haarfollikel). Diese auch als Follikulitis bezeichnete Hautinfektion findet sich, vergleichbar einer Akne, häufig im Bereich des Rückens, gelegentlich auch im Gesicht. Follikulitiden treten besonders in den ersten Wochen und Monaten nach einer Transplantation, unter noch hohen Cortisonspiegeln, auf.

Therapie: Neben der Verwendung von Akne-üblichen Hautreinigungsprodukten kann der Hautarzt mit antibiotikahaltigen Lösungen und ggf. weiteren Therapieansätzen weiterhelfen.

Hautkrebs

Unter Hautkrebs versteht man das untypische Einwachsen und sogar die mögliche Metastasierung von Hautzellen durch erworbene, genetische Schädigung. Dabei geben bereits frühe Veränderungen der Hautoberfläche dem Hautarzt wichtige Hinweise und können aufmerksamen Patienten in der Selbstuntersuchung erste Anhaltspunkte dienen. Nachfolgend werden einige der bei Organtransplantierten typischerweise auftretenden Hautkrebsformen vorgestellt.
Sollten Sie ähnliche Veränderungen bei sich bemerken setzen Sie sich baldmöglichst mit Ihrem Hautarzt in Verbindung. Je frühzeitiger ein Krebs erkannt wird, desto leichter kann er behandelt werden.


Wie sieht Hautkrebs aus?

Das Plattenepithelkarzinom der Haut (Spinaliom) ist der häufigste Hautkrebs organtransplantierter Patienten. Meist treten sie an sonnenbelichteten Stellen auf (Unbehaarter Kopf (Ohren, Lippen, Nase und Glatze), Hals, Unterarme und Handrücken).

Klinisch zeigen sich Plattenepithelkarzinome als rötlicher Fleck oder Knötchen, oft mit Schuppen-, Blut- oder Krustenauflagerung. Im fortgeschrittenen Stadium können Plattenepithelkarzinome regional aber auch in entfernter gelegene Organe und Knochen metastasieren.
Aktinische Keratosen („Lichtschwielen“) sind die unmittelbare Vorstufe/Frühform des schon eingewachsenen Plattenepithelkarzinoms und sind auch bei nicht-organtransplantierten Menschen im fortgeschrittenen Lebensalter häufig. Meist treten sie flächig/beetartig in den Sonnenlicht-exponierten Hautregionen wie Kopf und Gesicht, Unterarme und Handrücken, als umschriebene, sandpapierartige Rauigkeit auf. Im Frühstadium sind aktinische Keratosen eher tastbar, als sichtbar. Eine besonders aggressive Form findet sich als „aktinische Cheilitis“ an der Unterlippe.

Das Basalzellkarzinom (Basaliom) wächst gewöhnlich als blasse rosafarbene oder glänzende Papel oder Knötchen. Gelegentlich finden sich auffällige Äderchen. Auch dieser Hautkrebs ist häufig an sonnenexponierten Hautstellen zu finden, findet sich aber prinzipiell auch in anderen Hautarealen. Besonders am Körperstamm können Wachstumsformen auftreten, die eine unscheinbare Narbe imitieren. Unter Zerstörung des umliegenden Gewebes wächst das Basaliom auch in tiefe Haut-, Muskel- und Knochenstrukturen ein und sollte daher ebenfalls frühzeitig entfernt werden.

Im Gegensatz zum Plattenepithelkarzinom sind Absiedlungen (Metastasen) bei Basaliomen bislang nur sehr selten beobachtet worden.

Das maligne Melanom – ein sehr bösartiger Hautkrebs, der anfangs einem Muttermal oder „Leberfleck“ nicht unähnlich sieht – kommt bei Organtransplantierten nur gering-gradig häufiger vor, als bei Nicht-Transplantierten.

Trotzdem sollten ungleichmäßig gefärbte, unscharf begrenzte oder gar blutende Muttermale von einem Hautarzt kontrolliert werden. Gleiches gilt für wachsende oder neu aufgetretene, dunkel pigmentierte Flecken der Haut.

Therapie: Eingewachsene, „invasive“ Hauttumore werden in den allermeisten Fällen operativ durch den Hautarzt behandelt. Aktinische Keratosen können mittels geeigneter Flächentherapieverfahren auf ärztliche Verordnung hin sowie punktuell auch mittels Lasertherapie oder Vereisung behandelt werden. Leider liegen aktuell nur zu wenigen dieser Therapien Hinweise bezüglich einer Vermeidung von Plattenepithelkarzinomen durch eine Therapie aktinischer Keratosen vor. Dennoch ist für einzelne Therapieansätze dieser Nachweis bereits geglückt.


Warum haben Transplantierte häufig Hauterkrankungen?

Als mit ca. 2 m2 größtes Organ des menschlichen Körpers stellt die Haut die wesentliche Grenzfläche dar, die den Körper von Umwelteinflüssen abgeschirmt. Die Haut ist auf eine ständige Erneuerung angewiesen und wird durch ein kompliziertes immunologisches Abwehrsystem geschützt. Bei langfristiger Einnahme immunschwächender Medikamente, aber auch wenn diese kurzfristig hoch dosiert gegeben werden (z.B. bei der Therapie von Abstoßungsreaktionen) kann es zu einer Abnahme dieser Abwehr- und Schutzleistungen kommen.

Ist die Haut nicht mehr ausreichend immunologisch geschützt, können sich zuvor durch die Haut gut kontrollierte Pilze, Bakterien und Viren ausbreiten. Auch zuvor noch nicht auf der Haut bzw. im Körper vorhandene Infektionserreger können in dieser Situation relativ rasch symptomatisch werden.

Auch Hauttumorzellen, die teilweise durch Sonnenbrände oder langfristige UV-Exposition in Beruf oder Freizeit schon Jahre und Jahrzehnte ohne aktiv zu werden in der Haut persistieren,  werden durch das abgeschwächte Immunsystem nicht mehr rechtzeitig erkannt und abgebaut. Diese, auch bei immunkompetenten, älteren Patinen auftretende Haut-Tumorgenese, ist bei Organtransplantieren sowohl zeitlich verkürzt und teilweise auch aggressiver verlaufend.

Den eigentlichen Schlüssel zu einer gesunden Haut haben Sie zu einem großen Teil selber in der Hand. Durch einen bewussten Umgang mit Risikofaktoren (Sonnenlicht, Rauchen), eine gute Basishautpflege und dermatologische Vorsorgeuntersuchungen, tragen Sie wesentlich zu einer Vermeidung von Warzen, Hautkrebs und anderen Hauterkrankungen bei!


Was kann ich tun?

  • täglich Sonnenschutzcreme (LSF 50), die im UVA und UVB Bereich wirksam ist
  • Sonnenschutz auch bei bewölktem Wetter Sonnencreme verwenden
  • häufig vernachlässigte Areale nicht vergessen (Nacken, Ohren, Glatze, Handrücken, Lippen)
  • auch das Tragen von geeigneter Kleidung schützt (T-Shirt, Kopfbedeckung)
  • Sonnenbaden oder der Besuch von Sonnenbänken sind zu vermeiden
  • angepasste Körperhygiene, individuell passende Hautpflege anwenden, Druckstellen an den Füßen vermeiden
  • mindestens einmal jährlich beim Hautarzt untersuchen lassen
  • regelmäßige Selbstuntersuchung des Hautorgans
  • bei verdächtigen Hautveränderungen unverzüglich zum Hautarzt.

 

Dr. med. Claas Ulrich

Dermatologie am Regierungsviertel, Luisenstrasse 54/55 in Berlin Mitte